Bilder des Glaubens in der Zeit Martin Luthers

68Illustration und Einzelblattgraphik: Ausstellung im Museum Otto Schäfer, Schweinfurt vom 27. September bis 29. November 2015

Albrecht Dürer (1471 – 1528) hielt es für die vornehmste Pflicht der Kunst, im Dienst der Kirche das Leiden Christi anzuzeigen. Der Nürnberger Meister schuf in seinem druckgraphischen Werk am Vorabend der Reformation nicht nur Einzelblätter zum Leben des Gottessohnes, sondern insgesamt drei Passionsfolgen, zudem zahlreiche Madonnen- und Heiligenbilder. Mit seinen Holzschnitten zur Apokalypse thematisierte er 1498 die Endzeitstimmung einer krisengeschüttelten Zeit. Dürer bediente damit alle Aspekte der Frömmigkeit des ausgehenden Mittelalters. Den Kirchenvater Hieronymus, einen besonders verehrten Heiligen jener Tage, wählte er 1514 sogar als Motiv für einen seiner drei Meisterstiche aus.

Die Position Dürers teilte der Reformator Martin Luther (1483-1546) nicht. Er verwahrte sich in seinem „Sermon von der Betrachtung des Heiligen Leidens Christi“ 1519 gegen eine Frömmigkeit, die sich mit Hilfe von „Bildelein und Büchlein“ in die Passion versenke, ohne dass sich der Gläubige dabei seiner eigenen Schuld am Opfertod Christi bewusst werde. Prinzipiell ging es Luther weniger um die Bilder selbst – sie waren für ihn weder gut noch böse –, sondern um die Anbetung von Bildwerken oder ihrer Stiftung als gutem Werk oder um des Ablasses willen. Der Wittenberger Bildersturm im Januar 1522 veranlasste den Reformator zu einem allmählichen Umdenken und der Forderung nach einem didaktischen Einsatz von Bildern, die sich aber in seinem Sinn dem Wort vollständig unterzuordnen hatten. Noch 1522 beauftragte er Lucas Cranach d. Ä. (um 1472-1553), seine Übersetzung des Neuen Testaments mit einer umfangreichen Holzschnittfolge zur Apokalypse auszustatten. Damit bewegte sich Luther durchaus in der Tradition vorreformatorischer Bibelillustration. Die deutschsprachigen Drucke der Heiligen Schrift vor 1522 verzichteten wie Luther auf die Darstellung Christi in den Evangelien, dafür durfte das Alte Testament und die Apokalypse bebildert werden. Gerade für die historischen Bücher des Alten Testaments wünschte man sich auch in Wittenberg Bilder.

Der Umbruch der Reformation betrifft vor allem die Zurückdrängung der Bilderwelt des Marien- und Heiligenkultes. Illustrationen zum Leben und zur Passion Christi ziehen nach einer kurzen, weitgehend bilderlosen Phase in das neue reformatorische Schrifttum ein, mag es sich dabei um Passionare, Evangelienauslegungen, Postillen, Gebetbücher oder den Katechismus handeln. Besondere Bedeutung kommt dem Titelblatt zu, auf dem mitunter komplexe Lehrbilder wie das von „Gesetz und Gnade“ zu finden sind, das Alten und Neuen Bund gegenüberstellt.

Bild und Bibel lautet das Motto für 2015 der Lutherdekade 2008-2017 der Evangelischen Kirche in Deutschland. Denn in diesem Jahr jährt sich der Geburtstag von Lucas Cranach d. J. (1515-1586) zum fünfhundertsten Mal. Vater wie Sohn Cranach gelten als künstlerische und mediale Propagandisten der Reformation. Museum Otto Schäfer und Stadtarchiv Schweinfurt präsentieren unter dem Titel Bilder des Glaubens in der Zeit Martin Luthers ein Jahrhundert religiöser Kunst von 1465 bis 1565. Die Schau zählt zur Ausstellungsreihe Im Zeichen der Lutherdekade 16 – 19 – 21, die die Schweinfurter Museen in Zusammenarbeit mit dem Evang.-Lutherischen Dekanat Schweinfurt veranstalten. Die Ausstellung beschränkt sich dabei auf Buchillustration und Einzelblattgraphik, die weitgehend aus den lokalen Beständen des Museums Otto Schäfer, des Stadtarchivs Schweinfurt und der Sakristeibibliothek St. Johannis, Schweinfurt stammen.

Neben Arbeiten von Lucas Cranach d. Ä. und d. J. wie ihrer Werkstatt sind mit Albrecht Dürer, Hans Holbein d. J., Michael Wolgemut, Wilhelm Pleydenwurff, Hans Baldung Grien, dem Petrarcameister, Hans Schäufelein, Hans Springinklee, Wolf Traut, Hans Sebald Beham, Leonhard Beck, Jörg Breu d. Ä., Urs Graf, Heinrich Vogtherr d. Ä., Erhard Altdorfer, Georg Lemberger und Jost Amman ein Großteil der bedeutenden Künstler des ausgehenden 15. und der ersten beiden Drittel des 16. Jahrhunderts vertreten. Flyer zur Ausstellung

Ausstellungsort:
Museum Otto Schäfer
Judithstraße 16
97422 Schweinfurt
09721 3870970
www.museumottoschaefer.de

Öffnungszeiten: Di-Sa 14-17, So 10-17 Uhr


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