Gottes Geist wirkt auch bei der Entwicklung der Werte

„Zwischen Bibelstunde und Internet: Wie können Politik, Kirche und Gesellschaft vermitteln, worauf es ankommt?“

Sich verständigen – sich verstehen – sich vertragen: Die Ursache vielen Übels liegt in einer nicht funktionierenden Kommunikation. Die vielfältigen Möglichkeiten moderner Kommunikationstechniken und sozialer Netzwerke machen es aber nicht unbedingt einfacher, Menschen tatsächlich zu erreichen. Das Problem, ihre Botschaft zu vermitteln, hat aber nicht nur die Kirche. Bei einer Kooperationsveranstaltung mit der CSU-Landtagsfraktion anlässlich des Themenjahres Reformation und Politik diskutierten Vertreter aus Politik, Kirche und Gesellschaft.

Worauf kommt es denn tatsächlich an? Dr. Markus Söder, Mitglied der Landessynode und bayerischer Staatsminister der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat, antwortet ganz spontan: „Mit sich selbst im Reinen zu sein“. Doch dazu müsse jeder Mensch sein Leben in den Grundsätzen führen können, die er selbst für wichtig hält und die er gerne an die nächste Generation weiter geben möchte. Für Markus Söder zählen dazu auch Glauben und Gebet. Eine bewusste Entscheidung zum Glauben treffen könne seiner Meinung nach nur, wer von klein auf mit Religion in Berührung gekommen sei. Gebet ist für den Staatsminister etwas Selbstständiges, das man jederzeit, auch im Alltag verwenden darf. Im Gegensatz zu Muslimen sei für Christen das Gebet aber etwas sehr privates. Der Kirche empfiehlt Markus Söder sich nicht zu verstecken, sondern die Frohe Botschaft als Kern ihres Selbstverständnisses offen zu leben und zu kommunizieren. Eine gute Basis für die Zusammenarbeit von Staat, Kirche und Gesellschaft sieht er in den Menschenrechten, die der Verfassung zugrunde liegen und auf dem Gebot der Nächstenliebe basieren.

Wie unsere heutige Gesellschaft von dem Gebot der Christlichen Nächstenliebe geprägt ist, zeigten die Erfahrungen der Diskussionsteilnehmer. Da gibt es beispielsweise einen einst rein evangelischen Kindergarten, aus dem sich mittlerweile ein Familienzentrum für Kinder aus 29 Nationen mit 4 Weltreligionen entwickelt hat. Dessen Leiterin ist fest davon überzeugt, dass über das Gefühl, Kindern Heimat zu geben, auch deren Eltern erreicht werden können. Klar ist auch, dass neue Medien, wie das Smartphone, neue Formen der Jugendarbeit verlangen. Nur um sich auszutauschen oder miteinander zu reden, brauchen Jugendliche keine Treffs mehr. Heutzutage geht es vielmehr darum etwas miteinander zu machen. Nicht verändert dagegen hat sich die unberechtigte Sorge der Erwachsenen, dass Jugendliche nicht wüssten, worauf es ankommt. Für ein Engagement in aktiver Kinder- und Jugendarbeit lassen sich vor allem Jugendliche mit eigenen Vorerfahrungen gewinnen und diese bilden schließlich mit 80% den Kern der Religionspädagogikstudenten. Auch im Alter spielt das Miteinander und Zusammenhalten wieder eine große Rolle. Dass Gottesdienstbesucher immer grauhaariger und die Kirchen weniger besucht werden schieben die Diskutanten eher auf das langjährige Format der Gottesdienste, das aber von jüngeren Generationen nicht mehr fraglos angenommen wird. Einig ist man sich auch darin, dass die Bindung an Kirche personenabhängig ist. Was vermittelt wird, muss stimmig sein. Für eine engere kirchliche Anbindung könnte man zusätzlich zu Taufe, Konfirmation, Hochzeit und Beerdigung weitere Rituale einführen. Evangelische Kirche zeichnet sich durch intensive Diskussionen aus und dem Bestreben, den verschiedenen Meinungen Rechnung zu tragen. In allen gesellschaftlichen Bereichen aber spielt das Thema „Seel-Sorge“ eine große Rolle. Bei der Resozialisierung erhält jeder eine zweite Chance. Dass dies der richtige Weg ist, zeigt die geringere Rückfallquote des humanen Strafvollzugs im Vergleich zu anderen Staaten.

Es diskutierten Gudrun Brendel-Fischer, MdL (Stellvertretende Vorsitzende der CSU Fraktion im Bayerischen Landtag, Sprecherin für Fragen der Evangelischen Kirche), Pfarrer Christian Düfel (Koordinator der Lutherdekade in Bayern), Pfarrer Andreas Beneker (Leiter des ländlichen Bildungszentrums Bad Alexandersbad), Petra Guttenberger, MdL (Evangelischer Arbeitskreis der CSU), Gerhard Herrmannsdörfer (Mitglied der Synode der Evangelischen Landeskirche), Dr. Ursula Leipziger (Dozentin an der Universität Erlangen-Nürnberg), Lore Müller (Erzieherin und Leitern des Familienzentrums Nürnberg), und Manfred Walter (Landessekretär der Evangelischen Landjugend Pappenheim).

Foto: CSU Foto: CSU Foto: CSU

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Ilona-Maria Kühn


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