Nachbericht: „entFREMDung 1-3“

schroederhausEvangelisches Bildungszentrum Würzburg, Rudolf-Alexander Schröder-Haus

Der Grundgedanke des Projektes war, die Bilderwelt und die dahinter liegenden existenziellen Erfahrungen heutiger Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen.

Die reformatorische Botschaft gewann durch ihre Bibelauslegung und die Bibelübersetztung in die Landessprache ihre Kraft. Viele Menschen konnten sich in den Erfahrungen von „Schuld“ und „Vergebung“, von „Rechtfertigung“ und „Gnade“ wiederfinden. Die Erfahrungen kommen uns Heutigen nach wie vor nahe; die Sprache und die Bilderwelt der Bibel sind vielen Zeitgenossen fremd geworden. In dem Projekt ging es um „Ent – Fremdung“ in dem Sinne, dass wir uns von der Fremdheit biblischer Bilder und Symbole zu neuen Entdeckungen inspirieren lassen und den Erfahrungshintergrund biblischer Metaphern auf unseren Erfahrungshorizont übertragen. Durch unterschiedliche mediale Zugänge sollte über Malerei, Film, Musik und Lesung ein neuer Zugang zur reichen Bilderwelt der Bibel entstehen. Beworben wurde das Projekt im Rahmen der laufenden Programmplanung des Bildungszentrums (s. Halbjahresprogramme im Anhang ) sowie auf unserer Homepage und in der Tagespresse. Die Filmreihen und das Kunstprojekt wurden darüber hinaus auch in den Publikationen der Kooperationspartner beworben.

Geplant waren drei Module, die sich über das ganze Jahr verteilen sollten:

„entFREMDung 1“ ermöglichte in Kooperation mit dem „Museum am Dom“ und dem Kunstreferenten der Diözese Würzburg den Zugang zur Bilderwelt der Bibel über zeitgenössische Kunst. Moderne Malerei greift existentielle Themen aus der Bibel auf. Fragen wie Schuld, Liebe, Hoffnung, Leben und Tod werden thematisiert. Im Dialog mit zeitgenössischer Kunst nähern wir uns den Aussagen der Bibel an und entdecken überraschende Parallelen. Auf diese Weise können Texte, Motive und Bilder der Bibel auch kritischen Zeitgenossen wieder näher gebracht werden. Leider musste diese Modul entfallen, weil sich potenzielle Teilnehmer nicht auf das vorgegebene Anmeldeverfahren einließen. Dadurch hatten die Veranstalter nicht die nötige Planungssicherheit, um den damit verbundenen Aufwand zu leisten.

„entFREMDung 2“ setzte diese Zugangslogik fort: Eine Auswahl zeitgenössischer Filme setzte biblische Themen und Motive in Bild und Ton um. Vor der Kulisse zeitgenössischer Dramaturgie entfaltete die biblische Botschaft eine oft erstaunliche Aktualität für die Kinobesucher. Thematische Einführungen und Filmnachgespräche ergänzten die Vorführungen. Die Filmreihe (Modul 2) fand in zwei Blöcken im Frühjahr und im Herbst in Kooperation mit dem Würzburger Programmkino „Central“ statt. Der erste Block bot drei unterschiedliche Jesus- Verfilmungen an: „Das Erste Evangelium“, „Jesus von Montreal“ und „Die Passion Christi“. Der zweite Block nahm existentielle Fragen auf: „Wer früher stirbt, ist länger tot“, „Adams Äpfel“ und „Von Göttern und Menschen“. Die Filme waren unterschiedlich gut besucht – insgesamt kann man sagen: Je weniger biblisch-theologisch geprägt die Themen waren, desto besser war der Besuch.

„entFREMDung 3“ schließlich griff die Thematik „Bild und Bibel“ akustisch auf. Der tragende Gedanke war: Bilder müssen nicht immer auf optische Reize zurückgreifen. Sie können auch gewissermaßen als „innere Bilder“ aufgrund von akustischen Impulsen entstehen. In Zusammenarbeit mit einer Jazzformation entstand aus der Lesung biblischer Texte im Zusammenspiel mit zeitgenössischer Musik ein ganzheitlicher Klangteppich, der bei den Hörern vorhandene innere Bilder berührte oder neue Bilder entstehen ließ.

Zusammenfassend lässt sich bilanzieren, dass das Jahresthema „Bild und Bibel“ im Kontext einer eher an klassischen Bildungsformaten orientierten Einrichtung wie der Stadtakademie nicht so gut umgesetzt werden konnte wie die vorherigen Jahresthemen.

Harald Wildfeuer


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