Nachbericht: Frauen der Reformation

Ausstellung-Frauen-der-ReformationAusstellung im Frauenwerk Stein e.V.

Die Fachstelle für Frauenarbeit im FrauenWerk Stein e.V. in der ELKB zeigte vom 04. bis 16. Dezember 2014 die Ausstellung „Frauen der Reformation“ im Tagungs- und Gästehaus in Stein bei Nürnberg. Bei der Ausstellung handelte es sich um eine Leihgabe der Evangelischen Frauen Mitteldeutschlands (EFiM), die mit der Umsetzung ihres Projekts die noch wenig erforschte weibliche Seite der Reformation in den Mittelpunkt rücken und damit einen wichtigen Beitrag zur Reformationsdekade Luther 2017 leisten. Den Anstoß dazu, diese Ausstellung auch in Bayern erstmals einem größeren Publikum zugänglich zu machen, bot die Feststellung, dass Frauen im Rahmen der Vorbereitungen und Themenschwerpunkte des Reformationsjubiläums häufig nur eine Nebenrolle spielen, obwohl Frauen am Reformationsgeschehen aktiv beteiligt waren. Als Schriftstellerinnen und Regentinnen, als Ehefrauen, Mütter und Nonnen haben Frauen vielfältig zur Kirchenerneuerung beigetragen. Sie verbreiteten die reformatorischen Ideen, nahmen an deren Entwicklungen teil und setzten dabei aber auch ganz eigene Akzente.

Die Fachstelle für Frauenarbeit setzte sich mit der Leihgabe der Ausstellung zum Ziel zum Abschluss des Themenjahres „Reformation und Politik“ Frauen wie Anna Gräfin von Mansfeld, Catharina von Stolberg, Ottilie von Gersen oder Ursula Weyda, die in ihrer Bedeutung Jahrhunderte lang entweder im Schatten ihrer Männer standen oder als ehelose Frauen kaum öffentliches Interesse fanden, stärker ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit zu rücken. Andererseits boten die zahlreichen bildlichen Darstellungen, Illustrationen und Holzschnitte, die im Rahmen der Ausstellung auf den Tafeln gezeigt wurden, auch  den thematischen Anknüpfungspunkt und Übergang zum neuen Themenjahr „Bild und Bibel“ 2015.

In der Ausstellung wurden insgesamt zwölf verschiedene Frauen der Reformationszeit aus dem mitteldeutschen Raum gezeigt, die größtenteils völlig unbekannt sind, da nur wenige Informationen über sie historisch überliefert sind. Diese zwölf Frauen wurden gleichzeitig auf den einzelnen Ausstellungstafeln von zwölf Patinnen und Paten der Gegenwart persönlich präsentiert, deren Leben bestimmte Gemeinsamkeiten mit den historischen Frauen aufweisen. Weitere Ausstellungstafeln informierten über die Lebensbedingungen von Frauen in der bewegten Zeit des 16. Jahrhunderts. Sehr anschaulich wurde dabei, dass vor allem das reformatorische Schriftprinzip enorme Auswirkungen auf Frauen hatte. Die Heilige Schrift konnten auch Frauen lesen und auslegen, die keine höhere Bildung genossen hatten. Sie waren damit befähigt, sich an den Auseinandersetzungen um Fragen der kirchlichen Lehre und des kirchlichen Lebens zu beteiligen, indem sie auf der Grundlage der Schrift argumentierten. Exemplarisch dafür standen in der Ausstellung Florentina von Oberweimar und Ursula Weyda, die in der Präsentation um die bayerische Reformatorin Argula von Grumbach ergänzt wurden. Sie kämpfte für die Anerkennung der reformatorischen Lehre in Bayern und trat als eine der ersten Frauen der Reformation publizistisch in Erscheinung. Dementsprechend wurde die Wanderausstellung, die sich vornehmlich auf Frauen der Reformation im mitteldeutschen Raum konzentriert, durch Leihgaben der Argula-von-Grumbach Stiftung um die regionale Perspektive ergänzt. Informationen zu Argula von Grumbach konnten nicht nur einer Stellwand und einem Bücherschauschrank entnommen werden, sondern eine lebensgroße Argula in historischen Gewändern lud auch zum Anfassen und Fotografieren ein. Dadurch sollte den Besucherinnen und Besuchern der Ausstellung der lokale Bezug zum Thema Frauen der Reformation ermöglicht werden.

Eröffnet wurde die Ausstellung am 4. Dezember 2014 im Rahmen eines feierlichen Aktes im Festsaal des Tagungs- und Gästehauses im FrauenWerk Stein. Das Programm umfasste neben Grußworten u.a. einen Gastvortrag der Historikerin Nadja Bennewitz zum Thema Frauen der Reformation in Nürnberg umrahmt von zeitgenössischen Musikstücken auf historischen Instrumenten durch die Musikerin Ulrike Bergmann sowie einem mittelalterlichen Imbiss aus dem Feuertopf.

Ziel war es, einem möglichst breiten Publikum den Besuch der Ausstellung zu ermöglichen. Zu diesem Zweck wurden von der Fachstelle für Frauenarbeit für Gruppen und Interessierte individuelle Führungen zu verschiedenen thematischen Schwerpunktsetzungen während des gesamten Ausstellungszeitraumes angeboten. Dabei konnte beispielsweise zwischen einem zeitgeschichtlichen oder einem theologischen Zugang gewählt werden.

Insgesamt besuchten in dem kurzen Ausstellungszeitraum von nur 2 ½ Wochen ca. 300 Menschen die Ausstellung. Darunter fanden sich sehr unterschiedliche Gruppen, wie z.B. Frauengruppen, Kirchenvorstände, Dekanatsfrauenbeauftragte oder Pfarrgemeindegruppen, die den Besuch der Ausstellung mit einem festlichen Menü im Tagungshaus verbanden. Die Gruppen kamen aus ganz Bayern, dabei z.T. auch von sehr weit angereist nach Stein, um die Ausstellung zu besichtigen. Das historische Interesse an dem Thema Frauen der Reformation war bei allen Besucherinnen und Besuchern sehr stark ausgeprägt. Zahlreiche telefonische Anfragen gingen in der Fachstelle für Frauenarbeit seither nicht nur bzgl. der Vortragsthemen aus den Führungen ein, sondern auch hinsichtlich möglicher Ausleihoptionen der Ausstellung. Durch diesen Erfolg und die zahlreichen Anfragen angeregt, plant die Fachstelle für Frauenarbeit im Frauenwerk Stein die Konzeption einer eigenen Ausstellung zum Thema „Frauen der Reformation im süddeutschen Raum“, die als eigene Wanderausstellung von Gemeinden und Interessierten ausgeliehen werden kann. Dieses Projekt ist derzeit in Arbeit.

Pressespiegel

Dr. Andrea König
Leiterin der Fachstelle für Frauenarbeit im FrauenWerk Stein e.V. in der ELKB

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