Nachbericht: Reformation und Politik im ebw Bamberg

luther_2014_politik_RGB_400pxDas Evangelische Bildungswerk Bamberg hat in 2014 eine Veranstaltungsreihe zum Themenjahr „Reformation und Politik“ durchgeführt:

Transition town – von der Lust, die Welt zu verbessern (02.04.2014)

Film (voices of transition) und Gespräch mit dem Regisseur Nils Aguilar

Der Film „Voices of transition“ zeigt Alternativen zur herkömmlichen Art des Wirtschaftens besonders im Ernährungs- und Agrarbereich und stellt die Bewegung „Transition Town“ aus Südengland vor, die durch regionale Kreisläufe und Nachhaltigkeit gegen die Folgen des Klimawandels und anderer globaler Krisen aktiv wird. Die Akteuere bereiten sich auf eine Zukunft vor, die ohne fossile Energien wird auskommen müssen. Sie wollen die Kommunen resilient machen für kommende ökologische und ökonomische Schieflagen.
Die Wirkung des Films war erstaunlich: über 80 Engagierte treffen sich seitdem monatlich und organisieren sich in Initiativen wie Repair Café, Essen vor der Haustür oder Urban Gardening (auf der Brache vor einer Asylbewerberunterkunft). Vorstellungen von Re-Lokalisierung, Share Economy, Praxis der Suffizienz werden dabei aufgegriffen. Anstatt in Sorge und Angst zu geraten angesichts der globalen Krisen, setzt die Bewegung auf die Energie und die Lebensfreude, die bei gemeinschaftlich gestalteten Veränderungsprozessen entstehen können. Neue Beziehungen (Nachbarschaften) entstehen und zivilgesellschaftliche Potentiale kommen ins Spiel. (Transition Bamberg)

Religion. Politik. Gesellschaft (28.04.2014)

Beginnt Politik dort, wo Religion aufhört?
Vortrag von Dr. Matthias Gsänger, Universität Würzburg

Der Vortrag mit anschließendem Gespräch behandelte die Fragen: Was ist Politik? Was ist Religion? Sind sie Gegensätz? Was bedeutet das Verhältnis von Religion und Staat für den modernen Verfassungsstaat?
Weitere Aspekte des Abends waren: Demokratie als Lebensform, Politik ist immer konflikthaft. Eigenlogike von Religion und Politik

Wieviel Kirche braucht der Staat – wieviel Staat brauch die Kirche? (14.10.2014)

Tandemvortrag mit Günther Beckstein und Martin Affolderbach

Günther Beckstein betonte die Partnerschaftlichkeit von Staat und Kirche. Er findet kritische Worte zu den politischen Äußerungen der Kirchenleitung bzw. fordert eine ausreichende Begründung für derartige Äußerungen. Kritisch beurteilt er Luthers übersteigerte Ordnungsvorstellung (Landesfürsten). Das Staatskirchenrecht hält er für solide. Hierfür brauche es gegebenenfalls Anpassungen, aber keine grundsätzliche Änderung. Beckstein stellt die positive Wirkung der christlichen Religion auf Staat und Gesellschaft fest.
Martin Affolderbach stellt das Verhältnis von Kirche und Staat in den Zusammenhang des gesellschaftlichen und kulturellen Wandels. So sind gegenwärtig 1/3 der Bevölkerung nicht-christlich. Die Kirche ist als Sinnanbieter auf dem Markt zu sehen. Die ist eine geschrumpfte Mehrheit in einer multireligiösen Gesellschaft. Das Staat-Kirche-Verhältnis war nie eindeutig festgezurrt (von Schutzmacht der Landesfürsten z.Zt. der Reformation zu Neutralität und fördernder Partnerschaft heute). Der Staat sei der Garant für Religionsfreiheit. Politische Äußerungen der Kirche sind begründbar durch das Wächteramt gegenüber der Politik.
Es schloss sich eine angeregte Diskussion an.

Gedenken als Herausforderung (16.11.2014)

Kriegerdenkmal und Erinnerungskultur am Beispiel der Gefallenentafel in St. Stephan
Podiumsgespräch mit Dr. Christsasn Lechelt (Kunsthistoriker), Prof. Dr. Anselm Schubert (Universität Erlangen), Martina Bock (Traumatherapeutin), Dr. Andreas Wittenberg (General a.D.)

Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden mehr oder weniger heroisierende Gedenkstätten für die Gefallenen. In vielen Kirchen finden sich teilweise religiös überhöhte Gedenktafeln („Niemand hat größere Liebe als der, der sein Leben lässt für die Freunde“) mit den Namen der Opfer. Das Podium ging der Frage nach, wie wir heute dieses Gedenken einordnen können. Aus den Blickwinkeln von Kunst- und Kirchengeschichte, Traumabewältigung, Soldatenverband und von Nachfahren der Gefallenen konnte das Publikum und auch der Kirchenvorstand der Kirchengemeinde einen neuen Umgang mit dem Zeitzeugnis finden. Die Moderation hatte Dekan Hans-Martin Lechner.

Wolfgang Wurch


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