Nachbericht: Wilhelm von Ockham – Das Risiko modern zu denken

otl-Aicher_i-1Ausstellung mit Werken von Otl Aicher und Begleitprogramm zum Themenjahr 2014

Eine zweite Ausstellung zu einem mittelalterlichen Thema neben der Bayerischen Landesausstellung? Sechs Wochen mitten in den bayerischen Schulferien? Es war ein riskantes Projekt. Und von umwerfendem Erfolg gekrönt.

Die Idee war einfach: Regensburg war 2014 Austragungsort der Bayerischen Landesausstellung unter dem Motto „Ludwig der Bayer. Wir sind Kaiser!“. Ein politisches Thema. Wir ergänzten es um die theologische Dimension, im Bewusstsein, dass Kirche und Politik nie wirklich getrennt werden können – und schon gar nicht im Mittelalter. Als Medium fungierten die fantastischen Plakate des Künstlers Otl Aicher (1922–1991). Sie führten die Aktualität der Welt Wilhelm von Ockhams (um 1288–1347) und seiner theologischen, philosophischen und politischen Gedanken vor Augen.

Der Beharrlichkeit und der emsigen Arbeit von Sabine Freudenberg, Vorstandsmitglied des Evangelischen Bildungswerks Regensburg, war es zu verdanken, dass die Stadt Regensburg als Kooperationspartnerin gewonnen wurde, dass mit der Städtischen Galerie im Leeren Beutel ein hochwertiger Ausstellungsort zur Verfügung stand und dass sich das Archiv der Hochschule für Gestaltung in Ulm bereitfand, die Ausstellung trotz der Empfindlichkeit der Bilder auszuleihen.

Kurz vor den Sommerferien, am 27. Juli 2014, wurde die Ausstellung in Regensburg eröffnet. Weder die normale Bestuhlung noch die spontan herbeigeschafften Klapphocker reichten für den Ansturm von Gästen. Etwa 90 waren es, ungewöhnlich viel für die Verhältnisse der Städtischen Galerie und erst recht für die Verhältnisse des Evangelischen Bildungswerks. Insgesamt besuchten vom 25. Juli bis 7. September 2014 mehr als 1.000 Menschen die Ausstellung, bei den Begleitveranstaltungen waren es mit einer Ausnahme jeweils 50 bis 70, die aufmerksam zuhörten und mitdiskutierten – auch das weit über dem Durchschnitt liegende Zahlen. Die Programmflyer mussten wegen der großen Nachfrage zweimal nachgedruckt werden.

Vielfältig waren die Themen und die Formate des Begleitprogramms: Aspekte aus Kunst, Geschichte, Theologie, Philosophie und Gesellschaftspolitik wurden in Vorträgen, Podiumsgesprächen, Themengottesdiensten und einer Filmvorführung aufgegriffen. Das Feedback war jeweils sehr gut, ebenso die Außenwirkung. Katholische Besucher/innen zeigten sich beeindruckt davon, wie in evangelischer Art mittelalterliche Traditionen aufgegriffen, wertgeschätzt und weiterentwickelt wurden und erkannten, dass evangelisches Selbstverständnis mehr beinhaltet als Luthernachfolge. Menschen, die normalerweise kirchlichen Veranstaltungen fernbleiben, fanden Freude an theologischen Fragestellungen.

Die erfolgreiche Ausstellung war zudem das Gesellenstück des Evangelischen Bildungswerks Regensburg in der Kooperation mit der Stadt Regensburg. Ende November 2015 wird, wieder in der Städtischen Galerie im Leeren Beutel, die Ausstellung „Jesus Reloaded – Das Christusbild im 20. Jahrhundert“ eröffnet werden. Diesmal fragte die Stadt uns an, ob wir kooperieren würden. Wir haben zugesagt und planen aktuell ein attraktives Begleitprogramm.

Pfrin. Barbara Eberhardt, EBW Regensburg / Dekanat Regensburg


Alle Einträge zum Thema: