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Toleranz der Woche

Nr. 07: Spaßprojekte

Ein multinationales und gleichzeitig multikausales Lernfeld

Jugendliche Flüchtlinge, die ohne Eltern nach Deutschland gekommen sind, finden in der Erstaufnahmeeinrichtung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (EAE-UMF) Zirndorf für etwa drei Monate ihr erstes Quartier in Deutschland. Hier erwerben sie nicht nur ihre ersten Deutschkenntnisse sondern erhalten auch einen ersten Eindruck gesellschaftlichen Lebens in Europa. Aufgewachsen in einem patriarchalischen System, werden sie hier Schritt für Schritt an eine offene Gesellschaft heran geführt, in der es selbstverständlich ist, dass nicht nur Mädchen Sport treiben, sondern beispielsweie auch pädagogische Fachkräfte ihren Schützlingen auf gleicher Augenhöhe begegnen und ihnen Verantwortung übertragen.

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Kontakt:  Knut Fischer (Mail)
EAE-UMF Nordbayern
Tel.(0911) 6279-222


Pädagogisches Konzept:

Ausgehend von der Tatsache, dass eine Vielzahl von asiatisch-orientalischer Kultur geprägten Jugendlichen, die bei uns, nach Monaten bzw. Jahren der Flucht, ankommen (schwer) traumatisiert sind, geht es schlichtweg darum, die angebotene strukturierte Freizeitpädagogik als „Spaßprojekt“ zu begreifen. Da bietet sich der Sport beispielsweise als „Gesundheitsfördernde Maßnahme“ geradewegs an. Es gilt Bewegung und positives Empfinden, als Psychoedukation zu sehen. Eben als Lernfeld, nicht nur im Hinblick auf starke seelische Erschütterungen welche die Jugendlichen in verschiedensten Varianten kennen. Es geht ebenso darum auseinander verlaufende, oftmals zunächst aufeinander prallende orientalische vs. abendländische Kulturen, allmählich den sozialen Sprengstoff zu nehmen und sie sukzessive zusammen zu führen. Stichworte: Interkulturelle Pädagogik, Kulturpädagogik, etc.

„Spaßprojekte“ sind damit Projekte, an denen die Jugendlichen in der Praxis lernen können, miteinander umzugehen, gemeinsam ein kleineres oder größeres Event zu planen und auch durchzuführen. Hier können sie schließlich dafür sogar erste Erfolgserlebnisse in der für sie fremden Gesellschaft erwerben. Diese sind um so größer, als ihre Betreuer ausschließlich im Hintergrund wirken und ihnen höchstens ein paar Tipps geben.

Methodischer Hintergrund

Von Relevanz für die meist in autoritären Erziehungsverhältnissen sozialisierten und nach diesem Muster gegenwärtig „kommunizierenden“ Jugendlichen ist die pädagogische Konfrontation, der sie in den „Spaßprojekten“ ausgesetzt sind. Die Jugendlichen kennen die Theorie, die Didaktik, ihre autoritären Erzieher eben, nicht aber das praktische Verfahren, die Mathetik, und auf die kommt es uns an: Die Kunst methodisch zu praktizieren besteht nun darin, soviel Edukation wie nur irgend möglich an die Jugendlichen abzugeben. Es entsteht methodisches Handeln, z.B.:

„Spaßprojekte“: Sport in Verbindung mit positiver Emotion, also Lachen, ist grundsätzlich eine außerordentlich positive multinationale Kultur. Wie so ein Spaßprojekt aussieht hängt von der Tagesform aller Beteiligten ab. Es ist der Sport und hier hauptsächlich der Fußball, das Event schlechthin. Denn Soccer ist der primäre Sport der Jugendlichen. Daneben haben wir grünes Licht für Volleyball und Cricket von ihnen bekommen. Und so bauen wir die beiden Sportarten systematisch und allmählich zur strukturierten Freizeitgestaltungen aus.

Projekte im Vordergrund

Wir haben gegenwärtig drei mal wöchentlich die Gelegenheit den „Spaß“ zu trainieren. Diese Projekte kommen an! Man kann es ablesen am Habitus der Jugendlichen. Im Jahr 2012 fanden sich die Jugendlichen bei insgesamt 10 Fußballturnieren wieder. Eines war das Ende Juli 2012 stattgefundene Mega-Event, getragen von den Jugendlichen selbst: 1. INTERNATIONAL SOCCER CHAMPIONSHIP OF ZIRNDORF (s. Fotoshow). Alle wurden auf der Ebene der „Spaßprojekte“ begriffen, was mitunter nicht so einfach war. Schließlich steckten wir Zirndorfer natürlich in jedem Spiel auch im Wettbewerb. Aufgrund des großen Erfolges wird am 3. August 2013 bereits die 2. INTERNATIONAL SOCCER CHAMPIONSHIP OF ZIRNDORF starten.

Am Sonntag, den 1. Advent 2012, ereignete sich für die Jugendlichen ein weiteres Novum. Sie traten am 02.12. zum ersten Mal bei einem Mixed – Volleyballturnier an. Allein das, in erster Linie visuell (sportlich) Verfolgte, war für die von asiatisch-orientalischer Kultur Geprägten, ein außergewöhnliches Erlebtes. Gegen weibliche Konkurrenten zu spielen und zu verlieren war für sie „…eine sehr ungewöhnliche Erfahrung…“, wie sie meinten. „Bei uns in Afghanistan…- unvorstellbar.“ (Übersetzte uns ein Dolmetscher). Nichts Ungewöhnliches für Europäer. Diesen kulturellen Spagat zu überwinden, ist nur eine Zielsetzung der Jugendlichen, auferlegt durch ihre „Trainer“.

Diese „Spassprojekte“ lassen sich vor dem wichtigen beschriebenen Hintergrund beliebig erweitern. Also steht der Sport, explizit der Fussball, Pate für die nachfolgenden Projekte der strukturierten Freizeitpädagogik.