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Toleranz der Woche

Nr. 10: Gespräche zwischen den Religionen

Die Nachbarschaftshilfe

Die Bewohner von München stammen aus verschiedenen Ländern, bringen unterschiedliche kulturelle Traditionen mit und gehören  verschiedenen Religionen an. Gerade in einer Großstadt leben viele Menschen Tür an Tür und wissen kaum etwas voneinander. Immer wieder zeigt sich, dass das Nicht-Wissen um uns fremde Wertvorstellungen und Traditionen zu Missverständnissen führen kann. In Presse und Medien wird beispielsweise über Muslime häufig im Zusammenhang mit problematischen Ereignissen, Vorfällen von Gewalt oder Anschlägen berichtet, begleitet von Bildern, welche Angst und Abscheu auslösen. Diese Eindrücke wirken sich vielfach auf den alltäglichen Umgang aus. In Freimann gibt es seit 15 Jahren eine Initiative, die dem entgegen wirken möchte.

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Kontakt:
Christa Liebscher – Mail – Tel. 089 / 53 66 67
Die Nachbarschaftshilfe – deutsche und ausländische Familien


Gespräche zwischen den Religionen:

Diese Initiative wurde vor mehr als 15 Jahren im Stadtteil Freimann ins Leben gerufen. Einige engagierte Frauen wandten sich an Die Nachbarschaftshilfe – deutsche und ausländische Familien mit dem Anliegen, die Begegnung und den Austausch zwischen den Muslimen und Christen im Stadtviertel fördern zu wollen.

In enger Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirchengemeinde Freimann initiierte das Team, bestehend aus einer Mitarbeiterin der Nachbarschaftshilfe und einigen Ehrenamtlichen Veranstaltungen, bei denen religiöse, ethische, kulturelle, soziale und gesellschaftspolitische Fragen und Themen aus christlicher und muslimischer Sicht betrachtet wurden, später zusätzlich auch aus jüdischer Sicht.

Ablauf der Veranstaltungen:

Nach Kurzreferaten sind die Besucher eingeladen, Fragen zu stellen oder eigene Gedanken und Erfahrungen einzubringen. Meistens entwickelt sich ein sehr intensiver Austausch, bei welchem auch schwierige und unbequeme Fragen geklärt werden können und es gelingt häufig, Vorbehalte auf allen Seiten auszuräumen und auf diesem Weg das Verständnis füreinander zu fördern. Es wird auch immer wieder deutlich, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede es zwischen den drei abrahamitischen Religionen gibt.

Unser Anliegen ist es, deutlich zu machen, an welchen religiösen Vorschriften und Geboten sich die Menschen orientieren, welche Traditionen, kulturellen oder landestypischen Einflüsse eine Rolle spielen und wie die Menschen ihren Glauben leben.

Die Veranstaltungen und Treffen sind offene Angebote für alle interessierten Menschen und werden öffentlich beworben, über Dekanat, Kirchengemeinden, Stadtteil- und Tageszeitungen, lokale Rundfunksender und
soziale Institutionen und Netzwerke. Die Abendveranstaltungen werden jeweils von 20 bis 35 Personen besucht, an dem Wochenendseminar nahmen 35 Erwachsene und 2 Kinder teil, zu dem Konzert kamen ca. 100 Gäste und 40 Chormitglieder und Solisten, die Begegnungsnachmittage werden von 20 bis 45 Personen besucht. Die Teilnehmerzahl hängt mit dem Thema und der Art der Veranstaltung zusammen. Unser Anliegen ist, möglichst viele Menschen anzusprechen und für den Dialog / Trialog zu interessieren.

Einige Themen als Beispiele:

  • Veranstaltungsreihe zum Thema „Sterben“(im Zeitraum November 2012 bis Mai 2013):
    • „Rituale und Traditionen, wenn ein Mensch stirbt“ im Judentum, Christentum und Islam – Welche Bedeutung haben sie für die Sterbenden und die Hinterbliebenen.
    • „Kann man das Sterben nach seinen eigenen Vorstellungen gestalten?“ – Möglichkeiten und Hilfen, die es für jüdische, christliche und muslimische Menschen gibt.
    • „Gibt es ein Leben nach dem Tod?“ – Jenseitsvorstellungen im Judentum, Christentum und Islam
  •  „Kinder sind ein Geschenk … – oder?“ – Familienplanung aus jüdischer, christlicher und muslimischer Sicht (5.10.2011)
  • „Maschine Mensch – Wo sind die Grenzen des medizinisch Machbaren?“ – Organspende und Transplantation aus jüdischer, christlicher und muslimischer Sicht (14.11.2011)
  • „Die Mystik im Judentum, Christentum und Islam“ (24.11.2010)
  • „Das Gebet im Judentum, Christentum und Islam“ (27.5.2009)
  • Wochenendseminar „Beten, Fasten, Feste feiern“ – Die Bedeutung von religiösen Feiertagen und Brauchtum im Judentum, Islam und Christentum (16.4. – 18.4.2010, unterstützt aus Mitteln „Auf dem Weg zum 2. Ökumenischen Kirchentag 2010“)
  • „Lobt Gott, Kinder Abrahams!“ – Jüdischer, christlicher und muslimischer Lobgesang und seine Deutungen (9.5.2012, mit freundlicher Unterstützung des Referats für Ökumene, Partnerschaften, Mission und Entwicklungsdienst der Evang.-Luth. Kirche in Bayern)
  • Internationaler Begegnungsnachmittag: jedes Jahr vor der Sommerferienpause. Ein offener Nachmittag zum Kennenlernen und Austausch mit internationalem Büffet.

Rolle und Aufgabe der Ehrenamtlichen:

Der Impuls zu der Initiative „Gespräche zwischen den Religionen“ kam von Frauen, die sich in ihrer interkulturellen Nachbarschaft für mehr Austausch und ein besseres Miteinander einsetzen wollten. Die Mitarbeiterin der Nachbarschaftshilfe und die Ehrenamtlichen bildeten ein Kooperationsteam, welches sich regelmäßig zur Planung, Vorbereitung und Reflexion der Veranstaltungen trifft. Die Ehrenamtlichen sind wichtige MultiplikatorInnen und BotschafterInnen ihrer Religion und Kultur, arbeiten sehr engagiert bei der Konzeption und Durchführung der Veranstaltungen mit und bringen viele gute Ideen ein.