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Toleranz der Woche

Nr. 17: Grandhotel

Wandel als Zustand

Ein Pflegeheim wird zum Hotel, zur Flüchtlingsunterkunft, zu Ateliers. Eine Großküche wird zur Bürgergaststätte, eine Lobby zum Cafe, ein Dach zum Gemüsegarten. Ein Stadtviertel wird gefordert. Freiwilliges Engagement wird zur Basis eines Projektes: Das Grandhotel Cosmopolis. Das Grandhotel Cosmopolis ist ein künstlerisches Labor, das als Keimzelle gesellschaftspolitische Fragen anders lösen will. Der Ursprung der Idee war ein anderer Umgang mit Flüchtlingen. Statt Ausgrenzung geht es hier um Interaktion, den Abbau von Ängsten und Vorurteilen. Mitten im Herzen der Augsburger Altstadt wird der Versuch gewagt einen Ort, an dem auch Flüchtlinge leben, zu einem kulturellen Knotenpunkt für die Stadtgesellschaft zu machen.

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Kontakt:
Grandhotel Cosmopolis e.V.
Sebastian Kochs
Springergäßchen 5
86152 Augsburg
Tel.: 0176/32437218; Mail
www.grandhotel-cosmopolis.org

 

Vom „Unort“ zum „Hotspot“. Das Grandhotel ist ein Ort von Mensch für Menschen. Ein Ort der Ideen, der Kunst, der Kreativität. Der Umgang mit „dem Fremden“ soll nicht mehr als „Last“ sondern als „Lust“ empfunden werden. Menschen aus der Stadt erarbeiten eine neue und gelebte Willkommenskultur. Das Grandhotel wird niemals fertig sein. Es entwickelt sich stetig weiter. Gesellschaftliche Aufgaben und Anforderungen werden neu und nicht mehr monokausal angegangen. Das Projekt will modellhaftes Vorbild für andere Lösungsstrategien aufzeigen.

Die Idee ist bisher neu und modellhaft. Sie hat bereits jetzt Vorbildcharakter für andere Städte. So wollen engagierte Bürger in Bamberg, Bonn und Wien nach dem Vorbild des Grandhotels beginnen ähnliche Konzepte umzusetzen. Das Projekt ist europaweit vernetzt in kulturellen und sozialen Netzwerken. Die Innovation liegt in der Idee, einen Ort, an dem auch Flüchtlinge leben, in ein beliebtes Zentrum für die Bewohner der Stadt umzuwandeln. Deswegen gibt es ein Café, Kulturveranstaltungen und eine vegetarische Bürgergaststätte. Durch die Veröffentlichung der Idee und die Öffnung des Hauses konnte im ersten Jahr die negative Stimmung in der Stadt umgekehrt werden. Die Baugenehmigung zum Umbau erfolgte auf einstimmigen Beschluss des Augsburger Stadtrats. In über 80 Kulturveranstaltungen wurde der Ort zu einem sehr beliebten Treffpunkt in der Stadt. Die Motivation der Gruppe ist eine andere Form der Partizipation und Teilhabe von engagierten Bürgern zu ermöglichen. Hier wird dem großen Bedarf nach Eigenverantwortlichkeit und nach sinnhaftem Tun in einer normierten und formatierten Welt nachgekommen. Menschen können ungenutzte Ressourcen freisetzen und einbringen.

Die Lösungen von gesellschaftlichen Aufgaben im 21. Jahrhundert erfordern neue Herangehensweisen, die sinnlicher, kreativer und weniger rational gefärbt sind. In unserer Gesellschaft gibt es immer mehr ungenutzte Ressourcen und Potentiale. Wir möchten eine Aufhebung des Schubladendenkens und der Trennung von Kunst und Sozialem erreichen.

Projektstart war im September 2011 – die ersten „Hotelgäste mit Asyl“ zogen am 18. Juli 2013 ein und ab dem 3. Oktober 2013 eröffnet das „Hotel ohne Asyl“ für Reisende seine Pforten.

Seit August 2012 gibt es einen Gemeinnützigen Verein.